{"id":9,"date":"2013-08-22T14:40:20","date_gmt":"2013-08-22T14:40:20","guid":{"rendered":"http:\/\/norddeutschezeitung.de\/?p=9"},"modified":"2017-10-14T17:38:34","modified_gmt":"2017-10-14T17:38:34","slug":"elbvertiefung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/purtul.de\/?p=9","title":{"rendered":"ARD: Elbvertiefung"},"content":{"rendered":"<p>Der Hamburger Hafen ist Drehscheibe des G\u00fcterverkehrs und wichtigster Arbeitgeber der Region. J\u00e4hrlich 10.000 Schiffe verbinden ihn mit 900 H\u00e4fen in \u00fcber 170 L\u00e4ndern.\u00a0Doch er liegt nicht am Meer, sondern etwa 100 Kilometer landeinw\u00e4rts. Damit immer gr\u00f6\u00dfere Frachtschiffe Hamburg anlaufen konnten, wurde die Fahrrinne der Elbe seit 1818 acht Mal vertieft: Von einst 3,5 Metern Tiefe auf heute 14,9 Meter.<\/p>\n<p>F\u00fcr die neuesten Containerriesen reicht auch das nicht mehr aus. Voll beladen k\u00f6nnen sie den Hamburger Hafen nicht mal mehr bei Hochwasser erreichen. Damit er wettbewerbsf\u00e4hig bleibt, soll die Fahrrinne noch einmal ausgebaggert werden &#8211; um etwa ein bis zwei Meter. Doch Umweltsch\u00fctzer warnen, dies k\u00f6nne dem Lebensraum Unterelbe den Todessto\u00df versetzen.<\/p>\n<p><iframe loading=\"lazy\" width=\"720\" height=\"405\" src=\"https:\/\/www.youtube.com\/embed\/w1KWCwuRVAg?feature=oembed\" frameborder=\"0\" allowfullscreen><\/iframe><\/p>\n<p>Beitrag aus der Sendung &#8222;W wie Wissen&#8220; vom 26.5.2013<\/p>\n<p>Dabei sind Baggerarbeiten auf der Unterelbe Alltag. Um die Solltiefe zu erhalten, wird auf der Strecke zwischen Hamburg und Cuxhaven laufend gebaggert. Denn Sedimentablagerungen sorgen immer wieder f\u00fcr Verflachungen der Rinne und die stellen eine Gefahr f\u00fcr die Schifffahrt dar. Circa 15 Mio. Kubikmeter Sediment lagern sogenannte <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Hopperbagger\">Hopperbagger<\/a> j\u00e4hrlich um.<\/p>\n<p>Die Saugbagger bef\u00f6rdern das Sediment daf\u00fcr zun\u00e4chst an die Oberfl\u00e4che: &#8222;Ein Schleppkopf wird auf Grund abgelassen und dann wird Wasser mit hohem Druck in den Boden eingespritzt, damit der sich locker l\u00f6st&#8220;, erl\u00e4utert J\u00f6rg Osterwald von der zust\u00e4ndigen Wasser- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes (WSV). &#8222;Danach saugt eine gro\u00dfe Pumpe das Sand-Wasser-Gemisch in den Schiffsladeraum.&#8220;<\/p>\n<figure id=\"attachment_29\" aria-describedby=\"caption-attachment-29\" style=\"width: 300px\" class=\"wp-caption alignnone\"><a href=\"http:\/\/purtul.de\/wp-content\/uploads\/2013\/08\/Joerg-Osterwald.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-29\" src=\"http:\/\/purtul.de\/wp-content\/uploads\/2013\/08\/Joerg-Osterwald-300x202.jpg\" alt=\"J\u00f6rg Osterwald auf einem Saugbagger vor Cuxhaven. Er ist bei der Wasser- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes f\u00fcr die Fahrrinnenanpassung zust\u00e4ndig\" width=\"300\" height=\"202\" srcset=\"https:\/\/purtul.de\/wp-content\/uploads\/2013\/08\/Joerg-Osterwald-300x202.jpg 300w, https:\/\/purtul.de\/wp-content\/uploads\/2013\/08\/Joerg-Osterwald-624x420.jpg 624w, https:\/\/purtul.de\/wp-content\/uploads\/2013\/08\/Joerg-Osterwald.jpg 847w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-29\" class=\"wp-caption-text\">J\u00f6rg Osterwald auf einem Saugbagger vor Cuxhaven. Er ist bei der Wasser- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes f\u00fcr die Fahrrinnenanpassung zust\u00e4ndig<\/figcaption><\/figure>\n<p class=\"wp-caption-dt\"><span class=\"Apple-style-span\" style=\"line-height: 24px; font-weight: normal;\">Mittelgro\u00dfe Hopperbagger bieten Platz f\u00fcr etwa 10.000 Kubikmeter. Ist der Laderaum voll, verl\u00e4sst das Schiff die Fahrrinne und steuert eine Stelle in der Elbm\u00fcndung an, wo das Baggergut verklappt werden kann. Das geschieht durch\u00a0die \u00d6ffnung der Bodenluken des Schiffes. Teilweise kommen die Sedimente auch bei Aufsp\u00fclungen und Bauma\u00dfnahmen zum Einsatz. Viele Inseln in der Unterelbe bestehen aus Baggergut vom Elbgrund.\u00a0<\/span><\/p>\n<p class=\"wp-caption-dt\">Doch mit der st\u00e4ndigen Unterhaltungsbaggerung ist es nicht l\u00e4nger getan. Weil immer gr\u00f6\u00dfere Containerfrachter unterwegs sind, m\u00fcsse noch einmal vertieft werden, Osterwald spricht lieber von einer &#8222;Fahrrinnenanpassung&#8220;. Umweltverb\u00e4nde wollen diese um jeden Preis verhindern: &#8222;Wir halten die jetzt geplante Elbvertiefung f\u00fcr \u00f6kologisch nicht mehr vertretbar&#8220;, sagt Manfred Braasch, Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer des Hamburger Landesverbandes des Bundes f\u00fcr Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND).<\/p>\n<figure id=\"attachment_27\" aria-describedby=\"caption-attachment-27\" style=\"width: 300px\" class=\"wp-caption alignnone\"><a href=\"http:\/\/purtul.de\/wp-content\/uploads\/2013\/08\/Manfred-Braasch.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-27\" src=\"http:\/\/purtul.de\/wp-content\/uploads\/2013\/08\/Manfred-Braasch-300x172.jpg\" alt=\"Manfred Braasch vom BUND-Landesverband Hamburg bef\u00fcrchtet, dass eine Elbvertiefung dramatische Folgen f\u00fcr das \u00d6kosystem Unterelbe h\u00e4tte.\" width=\"300\" height=\"172\" srcset=\"https:\/\/purtul.de\/wp-content\/uploads\/2013\/08\/Manfred-Braasch-300x172.jpg 300w, https:\/\/purtul.de\/wp-content\/uploads\/2013\/08\/Manfred-Braasch-624x358.jpg 624w, https:\/\/purtul.de\/wp-content\/uploads\/2013\/08\/Manfred-Braasch.jpg 737w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-27\" class=\"wp-caption-text\">Manfred Braasch vom BUND-Landesverband Hamburg bef\u00fcrchtet, dass eine Elbvertiefung dramatische Folgen f\u00fcr das \u00d6kosystem Unterelbe h\u00e4tte.<\/figcaption><\/figure>\n<p class=\"wp-caption-dt\"><span class=\"Apple-style-span\" style=\"line-height: 24px; font-weight: normal;\">Braasch war ma\u00dfgeblich daran beteiligt, dass die Elbvertiefung vom <a href=\"http:\/\/www.bverwg.de\/presse\/pressemitteilungen\/pressemitteilung.php?jahr=2012&amp;nr=101\">Bundesverwaltungsgericht <\/a>vorl\u00e4ufig gestoppt wurde \u2013 zum Entsetzen der Hafenwirtschaft. Der Fluss sei in den letzten Jahrzehnten bereits mehrfach vertieft worden. &#8222;Wir bewegen uns m\u00f6glicherweise jetzt auf einen Kipppunkt hin, wo das ganze System rutschen kann. Das hat insbesondere mit den ver\u00e4nderten Str\u00f6mungsverh\u00e4ltnissen und der Tide-Energie zu tun, die durch so eine Vertiefung des Flusses noch zus\u00e4tzlich verst\u00e4rkt wird.&#8220;<\/span><\/p>\n<p>Die Unterelbe wird auch als Tideelbe bezeichnet, denn sie steht unter dem Einfluss der Gezeiten, die bis in den Hamburger Hafen wirken. Der Tidehub bezeichnet die Differenz zwischen Niedrig- und Hochwasser. Er hat sich in den letzten 150 Jahren verdoppelt: von 1,75 Meter auf 3,50 Meter. Daf\u00fcr verantwortlich sind nicht nur die Vertiefungen der Fahrrinne, sondern auch der Verlust von \u00dcberschwemmungsfl\u00e4chen etwa durch Vordeichungen, die Verf\u00fcllung von Hafenbecken, Absperrungen von Nebenfl\u00fcssen etc. Vor allem die Deichbauma\u00dfnahmen der 1960er-Jahre haben sich stark ausgewirkt, sagt Osterwald.<\/p>\n<p>Die n\u00e4chste Vertiefung werde dagegen kaum Einfluss auf den Tidenhub haben, da Bodenschwellen im Seitenbereich der Fahrrinne die Str\u00f6mung z\u00fcgeln werden. Solche &#8222;Strombauma\u00dfnahmen&#8220; h\u00e4tten sich bereits bei der letzten Vertiefung bew\u00e4hrt. &#8222;Wir erwarten bei der weiteren Fahrrinnenanpassung unter ung\u00fcnstigsten Bedingungen zwei Zentimeter h\u00f6heres Hochwasser und drei Zentimeter niedrigeres Niedrigwasser&#8220;, sagt Osterwald, &#8222;also insgesamt maximal f\u00fcnf Zentimeter Ver\u00e4nderung im Tidenhub.&#8220;<\/p>\n<p>Die Umweltverb\u00e4nde \u00fcberzeugt das nicht. Bereits kleinste Ver\u00e4nderungen k\u00f6nnten dramatische Auswirkungen haben. So f\u00fchre die geplante Elbvertiefung zu mehr Salzwasser in der Unterelbe, vernichte wertvolle Flachwasserzonen und verschlechtere die Sauerstoffversorgung des Flusses. Mit den gleichen Bef\u00fcrchtungen waren die Verb\u00e4nde bereits gegen die letzte Vertiefung angetreten, die im Dezember 1999 begann. Das Wasser- und Schifffahrtsamt hat damals ein <a href=\"http:\/\/www.fahrrinnenausbau.de\/in_der_disk\/beweissicherung\/index.php\">Beweissicherungsprogramm<\/a> gestartet, um die eigenen Prognosen sp\u00e4ter \u00fcberpr\u00fcfen zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<figure id=\"attachment_26\" aria-describedby=\"caption-attachment-26\" style=\"width: 300px\" class=\"wp-caption alignnone\"><a href=\"http:\/\/purtul.de\/wp-content\/uploads\/2013\/08\/Messboje.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-26\" src=\"http:\/\/purtul.de\/wp-content\/uploads\/2013\/08\/Messboje-300x200.jpg\" alt=\"Mitarbeiter der Wasser- und Schifffahrtsverwaltung heben eine Messboje aus der Elbe\" width=\"300\" height=\"200\" srcset=\"https:\/\/purtul.de\/wp-content\/uploads\/2013\/08\/Messboje-300x200.jpg 300w, https:\/\/purtul.de\/wp-content\/uploads\/2013\/08\/Messboje.jpg 576w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-26\" class=\"wp-caption-text\">Mitarbeiter der Wasser- und Schifffahrtsverwaltung heben eine Messboje aus der Elbe<\/figcaption><\/figure>\n<p id=\"attachment_26\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"width: 310px;\">Die Daten der Messbojen erlauben fundierte Aussagen \u00fcber die Auswirkungen der letzten Vertiefung. So habe sich die Str\u00f6mungsgeschwindigkeit, anders als von Umweltverb\u00e4nden bef\u00fcrchtet, kaum ver\u00e4ndert. &#8222;Wir lagen mit unseren Prognosen auf der sicheren Seite&#8220;, sagt Osterwald. Die Ver\u00e4nderungen seien weit geringer gewesen, als in der Umweltvertr\u00e4glichkeitspr\u00fcfung prognostiziert. Weit gr\u00f6\u00dfere Auswirkungen werde der Klimawandel und der damit verbundene Meeresspiegelanstieg haben.<\/p>\n<p class=\"wp-caption alignnone\" style=\"width: 310px;\">Manfred Braasch bef\u00fcrchtet jedoch auch &#8222;eine Verschlechterung der Sauerstoffverh\u00e4ltnisse&#8220; durch eine weitere Vertiefung der Fahrrinne.\u00a0Die Sauerstoffwerte in der Elbe seien seit der letzten Vertiefung 1999 &#8222;eher kritischer&#8220; geworden. Auf Nachfrage liefert er folgende Grafik, welche die Anzahl der kritischen Tage an der Station Seemannsh\u00f6ft zeigt:<\/p>\n<figure id=\"attachment_33\" aria-describedby=\"caption-attachment-33\" style=\"width: 300px\" class=\"wp-caption alignnone\"><a href=\"http:\/\/purtul.de\/wp-content\/uploads\/2013\/08\/Bildschirmfoto-2013-08-15-um-14.22.36.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-33\" src=\"http:\/\/purtul.de\/wp-content\/uploads\/2013\/08\/Bildschirmfoto-2013-08-15-um-14.22.36-300x199.png\" alt=\"Die Grafik des BUND zur Sauerstoffversorgung\" width=\"300\" height=\"199\" srcset=\"https:\/\/purtul.de\/wp-content\/uploads\/2013\/08\/Bildschirmfoto-2013-08-15-um-14.22.36-300x199.png 300w, https:\/\/purtul.de\/wp-content\/uploads\/2013\/08\/Bildschirmfoto-2013-08-15-um-14.22.36-624x413.png 624w, https:\/\/purtul.de\/wp-content\/uploads\/2013\/08\/Bildschirmfoto-2013-08-15-um-14.22.36.png 1004w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-33\" class=\"wp-caption-text\">Die Grafik des BUND zur Sauerstoffversorgung<\/figcaption><\/figure>\n<p>Ein eindeutiger Trend sieht anders aus, vor allem, wenn man den Betrachtungszeitraum ausweitet. Die Grafik von J\u00f6rg Osterwald reicht sechs Jahre\u00a0weiter in die Vergangenheit:<\/p>\n<figure id=\"attachment_35\" aria-describedby=\"caption-attachment-35\" style=\"width: 300px\" class=\"wp-caption alignnone\"><a href=\"http:\/\/purtul.de\/wp-content\/uploads\/2013\/08\/Bildschirmfoto-2013-08-15-um-14.39.09.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-35\" src=\"http:\/\/purtul.de\/wp-content\/uploads\/2013\/08\/Bildschirmfoto-2013-08-15-um-14.39.09-300x179.png\" alt=\"Die Grafik der Wasser- und Schifffahrtsverwaltung\" width=\"300\" height=\"179\" srcset=\"https:\/\/purtul.de\/wp-content\/uploads\/2013\/08\/Bildschirmfoto-2013-08-15-um-14.39.09-300x179.png 300w, https:\/\/purtul.de\/wp-content\/uploads\/2013\/08\/Bildschirmfoto-2013-08-15-um-14.39.09-624x373.png 624w, https:\/\/purtul.de\/wp-content\/uploads\/2013\/08\/Bildschirmfoto-2013-08-15-um-14.39.09.png 926w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-35\" class=\"wp-caption-text\">Die Grafik der Wasser- und Schifffahrtsverwaltung<\/figcaption><\/figure>\n<p>Periodisch auftretende Tage mit Sauerstoffmangel sind nicht neu. Verantwortlich daf\u00fcr sind vor allem die Gew\u00e4ssertemperaturen und die Biomassezufuhr aus dem Oberlauf, etwa in Form von Algen. Sterben diese ab, werden sie von Bakterien unter Sauerstoffverbrauch zersetzt.\u00a0&#8222;Es gibt eine Reihe von Gr\u00fcnden, die auf die Sauerstoffwerte in der Elbe Einfluss haben&#8220;, r\u00e4umt \u00a0Braasch ein, &#8222;aber auch die Flussvertiefung&#8220;. Diese schaffe mehr tiefe Bereiche, in denen es zu Abbauprozessen komme.<\/p>\n<p>&#8222;Wir vergr\u00f6\u00dfern mit der Vertiefung den Wasserk\u00f6rper etwas, dieses aber in einem so kleinen Bereich, dass es nicht messbar und beobachtbar in der Natur ist&#8220;, widerspricht J\u00f6rg Osterwald. Entscheidend seien andere Faktoren.\u00a0Tats\u00e4chlich gab es vor der deutschen Wiedervereinigung weit mehr Tage mit Sauerstoffl\u00f6chern als heute. Damals war die Elbe voller Giftstoffe, so dass kaum Algen wuchsen. Inzwischen gelangen kaum noch Gifte in den Fluss. Die N\u00e4hrstoffe, wie etwa Stickstoff und Phosphor aus der Landwirtschaft, sind aber noch da. Folge: Es kommen mehr Algen aus der Mittel- in die Unterelbe, wo sie in den Tiefen des Hamburger Hafens absterben und anschlie\u00dfend unter Sauerstoffverbrauch zersetzt werden.<\/p>\n<p>Die letzte Elbvertiefung zeigte nicht die dramatischen Auswirkungen, die Umweltverb\u00e4nde bef\u00fcrchtet hatten. Nach wie vor gibt es hier einzigartige Lebensr\u00e4ume mit S\u00fc\u00dfwasserwatten und Auw\u00e4ldern. Fast die gesamte Tideelbe steht unter Naturschutz. Hier br\u00fcten nicht nur Kormorane und Adler, auch Robben und neuerdings sogar Schweinswale werden gesichtet.<\/p>\n<p>Salzwasser in Hamburg?<\/p>\n<p>Hier leben aber auch salzempfindliche Arten, und f\u00fcr die k\u00f6nne die Vertiefung des Flusses von Nachteil sein, so der BUND. Die Brackwasserzone mit salzhaltigem Wasser aus der Nordsee werde sich Richtung Hamburg verschieben. &#8222;Damit verkleinert sich zum Beispiel f\u00fcr bestimmte Fischarten der Lebensraum zwischen Hamburger Hafen und dem Beginn dieser Brackwasserzone&#8220;, sagt Braasch.<\/p>\n<p>Der Gutachter Dirk Wolters von der IBL Umweltplanung GmbH in Oldenburg hat im Auftrag der Beh\u00f6rden die Umweltvertr\u00e4glichkeit der geplanten Vertiefung untersucht. Er h\u00e4lt das Argument der Versalzung nicht f\u00fcr stichhaltig: Die sogenannte Verschiebung der Brackwasserzone finde in einem Bereich statt, der von best\u00e4ndigen, enormen Salzgehaltsschwankungen gepr\u00e4gt ist: &#8222;Die nat\u00fcrlichen Schwankungen sind viel gr\u00f6\u00dfer als das, was man \u00fcberhaupt einem Ausbau zumessen kann&#8220;, sagt Wolters.<\/p>\n<p>Dennoch sei die Elbvertiefung ein Eingriff in die Natur. Und dieser m\u00fcsse laut Gesetz voll ausgeglichen werden. Geplant sind insgesamt 15 Ausgleichs- und Ersatzma\u00dfnahmen, die der Natur zugute kommen werden, unter anderem an und auf der Elbinsel Schwarztonnensand. Diese entstand \u00fcbrigens aus dem Baggergut einer fr\u00fcheren Vertiefung und soll nun &#8222;naturschutzfachlich&#8220; aufgewertet werden.<\/p>\n<p>Auslgeichsma\u00dfnahmen<\/p>\n<p>&#8222;In der Inselmitte sollen Vertiefungen geschaffen werden, die bei sommerlichen Hochw\u00e4ssern geflutet werden&#8220;, erl\u00e4utert Wolters. &#8222;Auf ungef\u00e4hr einem Hektar Fl\u00e4che soll der f\u00fcr diesen Lebensraum typische Tideweidenauwald entwickelt werden&#8220;. Zudem soll die Schwarztonnensander Nebenelbe ausgebaggert werden, so dass dort wieder mehr Flachwasserzonen entstehen. &#8222;Wir haben aus der vorangegangenen Fahrrinnenvertiefung eine Bilanz von \u00fcber zehn Jahren Erfahrung&#8220;, sagt Osterwald, &#8222;und wir wissen, dass wir viel mehr f\u00fcr die Natur tun, als wir tats\u00e4chlich an Auswirkungen sp\u00e4ter haben werden.&#8220;<\/p>\n<p>So h\u00e4tte die Elbvertiefung keineswegs nur Nachteile f\u00fcr die Natur. Zumal die \u00d6kobilanz des Schiffsverkehrs vergleichsweise positiv ist. Die Umwelt profitiert durch niedrigere Emissionen, wenn G\u00fctermengen in gro\u00dfen Containerschiffen geb\u00fcndelt werden. Besonders wenn diese bis weit ins Hinterland fahren k\u00f6nnen wie etwa zum Hamburger Hafen. Verglichen damit w\u00e4ren LKW-Transporte aus dem konkurrierenden Hafen Rotterdam nicht gerade ein Segen f\u00fcr die Umwelt.<\/p>\n<p>G. Purtul<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Hamburger Hafen ist Drehscheibe des G\u00fcterverkehrs und wichtigster Arbeitgeber der Region. J\u00e4hrlich 10.000 Schiffe verbinden ihn mit 900 H\u00e4fen in \u00fcber 170 L\u00e4ndern.\u00a0Doch er liegt nicht am Meer, sondern etwa 100 Kilometer landeinw\u00e4rts. Damit immer gr\u00f6\u00dfere Frachtschiffe Hamburg anlaufen konnten, wurde die Fahrrinne der Elbe seit 1818 acht Mal vertieft: Von einst 3,5 Metern Tiefe auf heute 14,9 Meter. 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