Rätselhafte Löcher am Haus

Sie tauchen meist an Giebelwänden oder an den Ecken von Gebäuden auf: kreisrunde, handgroße Löcher in Fassaden. Betroffen sind Häuser mit Wärmedämmung, denn nur deren Fassaden klingen so hohl, dass Spechte glauben, hier lasse sich nach Futter suchen oder eine Nisthöhle einrichten. Die Dämmung klingt beim Klopfen ähnlich hohl wie morsches Holz. Also krallen sich die Buntspechte in den Putz und picken den Dämmstoff aus der Fassade. Besonders leicht fällt ihnen dies an Gebäudekanten, daher tauchen dort auch die meisten Löcher auf. Weder ein dicker Putz noch die Kunststoffbewehrung vor den Dämmplatten aus Polystyrol widerstehen seinem scharfen Schnabel. Verliert der Specht das Interesse, tauchen oft Nachmieter auf. Vor allem Stare, Spatzen und Eichhörnchen haben die Vorzüge der Fassadendämmung erkannt, denn sie sind darin geschützt vor Wind und Wetter.

Ein Spatz hat es sich in der Wärmedämmung aus Polystyrol gemütlich gemacht.

Ein Spatz hat es sich in der Wärmedämmung aus Polystyrol gemütlich gemacht.

Die Löcher bedrohen jedoch die Bausubstanz, denn durch sie kann Feuchtigkeit eindringen – und Wärmedämmverbundsysteme (WDVS) sind sehr anfällig gegen Nässe,  denn die Styroporplatten werden direkt auf das Mauerwerk geklebt und sind wasserundurchlässig. Ist die Feuchtigkeit erst mal drin, kann sie kaum mehr entweichen. Dann drohen massive Bauschäden.

Stare im Styropor

Stare im Styropor

Die Löcher müssen daher nach Ende der Brutzeit repariert werden, bevor im Herbst viel Regen fällt. Da sie sich meist an schwer zugänglichen Stellen befinden, ist das ein lukrativer Job für Fassadenkletterer geworden. Für viele Firmen ist das längst ein Alltagsgeschäft: Die Hamburger Firma Ropeworx verschliesst jährlich circa 400 Löcher. Die Kletterprofis seilen sich vom Dach ab und stopfen den Hohlraum mit Mineralwolle. Sonst würde in der Dämmschicht eine Wärmebrücke entstehen und an der Innenwand zu Schimmelbildung führen. Noch wichtiger ist es, das Eindringen von Feuchtigkeit in den Dämmstoff zu verhindern. Ein vorgefertigtes Reparaturstück, meist aus Polystyrol mit Putzoberfläche, muss daher exakt eingepasst und sorgfältig versiegelt werden.

Die Kletterprofis von Ropeworx bei der Arbeit

Die Kletterprofis von Ropeworx bei der Arbeit

Manchmal können Hausbesitzer Mengenrabatt aushandeln. Die unten abgebildete rote Fassade hatte insgesamt zwölf Löcher.

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Doch selbst reparierte Löcher sind vor den hackwütigen Spechten nicht sicher. Manchmal kommt er an just jene Stellen zurück und pickt exakt die sanierten Stellen wieder auf. Schlechte Nachrichten für Hausbesitzer und gute Aussichten für die Kletterprofis. Sie haben längst Routine in der Spechtlochsanierung.

An dieser Fassade hat der Specht Gefallen gefunden

An dieser Fassade hat der Specht Gefallen gefunden

Als Gegenmittel werden gerne Klinkerriemchen angepriesen. Die ca. 14 mm starken Klinkerimitate sollen dafür sorgen, dass eine Fassade mit WDVS aussieht wie eine aus echtem Klinker. Doch den Specht können sie nicht täuschen, da es dahinter genau so hohl klingt. Zwar beteuern einige Riemchen-Hersteller, dass sich der Specht an ihnen den Schnabel aushackt. Doch das ist nur Wunschdenken – einen zuverlässigen Schutz gegen Spechtlöcher bieten sie nicht.

Kein Problem für Spechte: Klinkerriemchen

Kein Problem für Spechte: Klinkerriemchen

https://www.youtube.com/watch?v=TyymtT2ni0s

Beitrag aus W wie Wissen vom 4.12.2011

 

 

 

2 Gedanken zu „Rätselhafte Löcher am Haus

  1. Thomas

    Uns hat DER SPECHTFRITZE weitergeholfen. Das ist eine Firma mit mehreren Niederlassungen im Bundesgebiet die sich auf die Reparatur von Spechtschäden und vor allem auf die Abwehr der Spechte spezialisiert hat. Die waren zwar nicht günstig, aber superschnell, freundlich und kompetent.
    Das Schnursystem das sie bei uns montiert haben funktioniert bis heute zuverlässig – an die eine betroffene Ecke hat sich kein Specht mehr rangetraut. Kann ich nur empfehlen! Grüße Tom

    Antworten
  2. Martin

    Gut dargestellt! Leider kümmert sich der Specht nicht um die Optik (wie bei „Schein-Klinker“), sondern nur um den Klang. An einer echten Klinkerfassade, die auch sehr gute gedämmt werden kann, hacken sich die Tiere „den Schnabel aus“. Was hingegen hohl klingt, wirkt für den Specht attraktiv.
    Viele Grüße,
    Martin

    Antworten

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